Verfasst von: maria.wersig | 09/05/2011

Kristina Schröder will mehr künstliche Befruchtungen – Für wen?

Ungewollt kinderlos möchte Kristina Schröder kein heterosexuelles Paar lassen – und fordert deshalb in der Süddeutschen Zeitung Verbesserungen für diese Gruppe. Die Krankenkassen sollen wieder einen größeren Kostenanteil für künstliche Befruchtungen übernehmen und Adoptionen sollen auch für ältere Paare oder Berufstätige möglich sein. Vorschläge also, die ein Paradebeispiel heteronormativer Familienpolitik darstellen.

An wen Kristina Schröder nicht denkt:

  • Gleichgeschlechtliche Paare dürfen gemeinsam keine Kinder adoptieren.
  • Laut Richtlinien der Ärztekammern[1] haben nur heterosexuelle Paare Zugang zu einer künstlichen Befruchtung  und das auch nur , wenn sie „eigene“ Fortpflanzungszellen verwenden können. Demnach ist eine künstliche Befruchtung für alleinstehende Frauen oder gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland in der Regel nicht möglich. Einzelne Ärzt/innen mögen von dieser Praxis abweichen – ich halte es aber für einen Skandal, dass eine so wichtige Frage nicht von der Gesetzgebung entschieden wird.
  • Eine Rückkehr zur alten Regelung des § 27a SGB V (Kristina Schröder schlägt vor, wieder 4 anstatt 3 Versuche einer künstlichen Befruchtung zu bezahlen), der die Kostenübernahme von künstlichen Befruchtungen durch die gesetzlichen Krankenkassen regelt, würde immer noch bedeuten, dass diese Kosten nur für verheiratete Paare übernommen werden, deren „eigene Ei- und Samenzellen“ bei der künstlichen Befruchtung Verwendung finden.

Wer also rechtlichen Handlungsbedarf im Bereich der Reproduktionsmedizin sucht, sollte einen kurzen Blick über den eigenen politischen Tellerrand werfen und Lösungen für Paare und alleinstehende Frauen suchen, deren Fall mangels Eheschließung bisher ausgeblendet wurde.


[1]       Seit 2006 empfiehlt die Bundesärztekammer, dass rechtlich zulässige Methoden der assistierten Reproduktion auch für unverheiratete Frauen angewendet werden können, wenn die/der behandelnde Ärzt/in zu der Einschätzung gelangt ist, dass die Frau mit einem nicht verheirateten Mann in einer festgefügten Partnerschaft zusammenlebt und dieser Mann die Vaterschaft an dem so gezeugten Kind anerkennen wird; vgl. Deutsches Ärzteblatt 2006, 1392–1403.



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Responses

  1. […] heterosexuelle unverheiratete Paare sind hiervon ausgeschlossen. (Zur künstlichen Befruchtung etwa ein Text von Maria […]

  2. […] der Kosten – auch heterosexuelle unverheiratete Paare sind hiervon ausgeschlossen. (Dazu etwa ein Text von Maria […]

  3. […] Noch mehr rechtliche Fragen klärt rechtundgeschlecht – es geht um die geplante Kostenübernahme von künstlichen Befruchtungen. […]

  4. Kristina Schröder will mehr künstliche Befruchtungen – Für wen?
    Für Ihre Wählerschaft. Es ist ein emotionales Thema und daher gut geeignet für die eigene Profilierung. So schlimm es im Einzelfall ist, wir reden hier über nicht mal 100.000 Betroffene. Gibt es wirklich keine extentielleren Themen als „gleiches R e c h t für alle auf ein Kind“. Dann eher gleiches Recht auf dickes Auto.

    Ich hätte folgenden Vorschlag: wer dringend ein Kind haben möchte – egal in welcher Konstellation – der „darf“ vorher Selbsterfahrung in einer Kindereinrichtung machen, ein Pflegekind oder eine Patenschaft machen. Schulaufgabenhilfe oder einen Kinderkurs. Es gibt soviele Kinder, denen ein kleines bischen Hinwendung gut tun würde – leider macht das kaum ein auf ihren eigenen Bauch fixiertes Paar. Warum geht es nur immer um das eigene Kind?
    Sowas ist für mich keine wirkliche Kinderliebe.

    Harz4-Empfänger/innen leben nicht in ausreichend „stabilen“ Verhältnissen. Laut den mir bekannten Definitionen.
    Tja – die Def. kenn ich nicht, aber ich weiß, dass zumindestens das Einkommensniveau, gering, aber sicherer und stabiler ist, als das von selbstständigen Frauen.

  5. Ob Schröder auch irgendwann mal merkt, dass es nicht die „Möglichkeiten zur Reproduktion“ sind, die das Für und Wider des Nachwuchses ausmachen?
    Wenn, dann gehört in die Debatte immer – und da muss ich Maria Recht geben – der Blick auf die, die es betrifft, die die davon ausgeschlossen werden und deren Relation zum Großen und Ganzen. Krankenkassen sollen einen 4. Versuch der künstlichen Befruchtung bezahlen, dafür wird beim Zahnersatz gespart. Wer wird da gegen wen ausgespielt, frage ich mich?

    @Gurkenkaiser
    In der Regel zählen als „stabile Verhältnisse“ Partnerschaften, die über einen gewissen Zeitraum bestehen und ganz wichtig über ein regelmäßiges Einkommen verfügen. Bindungsqualität wird nicht gemessen (wie auch) und auch die Möglichkeit der wirtschaftsbedingten plötzlichen Wegfalls eines Einkommens wird meist ausgeblendet.
    Harz4-Empfänger/innen leben nicht in ausreichend „stabilen“ Verhältnissen. Laut den mir bekannten Definitionen.

  6. „Stabile Verhältnisse“ sind eine interessante forderung. Wie kann man die nachweisen? eine (heterosexuelle) Ehe ist für sich genommen kein nachweis. Sie kann geschieden werden. Eine mindestehedauer als voraussetzung zum kinderkriegen wäre da eine möglichkeit. aber auch nicht so richtig. denn eione nicht-geschiedene ehe kann auch instabil sein. brauchen wir also eine bewertung seitens der behörden, ob die ehe stabil genug ist für kinder. Also sagen wir 3-jahre totalüberwachung bis man künstlich befruchten darf?
    Bei der Gelegenheit müssen wir aber an die gleichstellung denken! Also muss gelten: für die „natürliche“ Zeugung von kindern muss dasselbe gelten. Damit wären schwangerschaften aus one-night-stands und von unverheirateten schon mal komplett zu verbieten.

    puh, gar nicht so einfach, die welt sauber in ordnung zu halten. aber was tut man nicht alles für die kinder!

  7. Hallo,

    Zitat:

    „…Befruchtung für alleinstehende Frauen…“

    Kinder sind kein Egotripp, dafür gibt es dicke Autos, Hobbys u.v.m.

    Kinder brauchen stabile Verhältnisse und eine Mutter und! einen Vater. Wenn Menschen keine Zeit, Lust und Kraft auf eine Ehe/feste Beziehung haben, dann haben die auch keine Zeit, Lust und Kraft für die Kinder.

    Fertig aus, Mickey Maus. Rumheulen ändert auch nix an der Tatsache.

    • Ich wüsste nicht, an welcher Stelle meines Textes ich „rumgeheult“ hätte. Viele Kinder wachsen bei alleinerziehenden Müttern auf und sind trotzdem keine Mickey Mäuse. Hinzu kommt, dass auch heute schon alleinstehende Frauen (und Frauenpaare) künstliche Befruchtungen im Ausland durchaus in Anspruch nehmen können und dies auch tun. Wer sich wie Kristina Schröder mit Hinweis auf Geburtenraten Sorgen um ungewollt Kinderlose macht, sollte meiner Meinung nach alle Menschen, die dies betreffen könnte, in den Blick nehmen.


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