Verfasst von: maria.wersig | 26/01/2012

Weniger Kinder in „Hartz IV“ – Dafür kriegen mehr den Kinderzuschlag

Die Zahl der Kinder im „Hartz IV“-Bezug ist laut Meldungen der BA in den letzten fünf Jahren stark gesunken – von knapp 1,9 Millionen auf etwa 1,64 Millionen. In der Süddeutschen gab BA-Vorstandsmitglied Alt gleich noch ein Interpretationsangebot der Statistiken: „Weniger Kinder in Hartz IV bedeutet, dass es den Jobcentern gelungen ist, ihre Eltern in Beschäftigung zu integrieren.“
Weil der Leistungsdschungel finanzieller Unterstützung für Familien etwas unübersichtlich ist, will ich an dieser Stelle kurz anmerken, dass die Zahl der Kinder, die zwar nicht von „Hartz IV“ aber dem Kinder-Kombilohn für Geringverdienende „Kinderzuschlag“ gemäß § 6a BKGG leben, seit 2008 enorm angestiegen ist, nämlich von geschätzten 120.000 Kindern 2008 auf ca. 312.000 Kinder im März 2010. Das kann man auch im Familienreport 2010 des BMFSFJ nachlesen, welcher auf S. 66 folgende Grafik enthält:

2008 gab es Gesetzesänderungen, die mehr Kindern diesen Kinderzuschlag ermöglichen sollten, unter anderem wurde damals eingeführt, dass Eltern sich zwischen „Hartz IV“ Leistungen und dem Kinderzuschlag entscheiden können. Es ist also nicht alles bekämpfte Armut – manchmal landen die Menschen einfach in einer anderen Statistik. Natürlich ist es nicht falsch, dass die Eltern von Kindern, die den Kinderzuschlag beziehen „in Arbeit“ sind, es ist aber eben nur keine existenzsichernde Arbeit.

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Responses

  1. Hinzu kommt, dass die Angaben der BA über absolute Zahlen gemacht werden. Da jedoch in den letzten Jahren weiterhin die Geburtenrate (meistens) zurück ging, gibt es in absoluten Zahlen generell weniger Kinder insgesamt. Und somit ist anzunehmen, dass sowie so weniger Kinder in „HartzIV Bezug“ leben. (vgl. Datenreport 2011, Band 1, S. 15 http://www.bpb.de/files/6B1GAZ.pdf)
    Als Kriterium der Vermeidung von Armut sind daher relative Angaben, also die Anteile der in Armut/SGB II Rechtskreis lebenden Kinder an allen Kindern, geeigneter. Zumal wenn wir von einem relativen Armutsbegriff ausgehen.

  2. […] Maria Wersig wühlte sich nochmal durch den Instrumentendschungel und stellte fest: Weniger Kinder sind im Hartz-IV-Empfang, dafür gibt es mehr Kinderzuschläge. […]


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